Leitbild Wildnisschule Weg der Wildnis
1. Naturverbindung als Grundlage von Bildung
Wir schaffen Räume, in denen aus tiefer Naturverbindung Verantwortung erwachsen kann. Für uns selbst, für unsere Gemeinschaft und für die lebendige Welt, deren Teil wir sind. Wir sind überzeugt, dass nachhaltige Entwicklung dort beginnt, wo Menschen nicht nur über Natur sprechen, sondern in direkten sinnlichen Kontakt mit ihr kommen.
Deshalb verstehen wir Naturverbindung als einen wesentlichen Ausgangspunkt für Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Die Kraft des Spiels und das Lernen im Tun prägen dabei unseren pädagogischen Ansatz. Zu lernen, ohne es zu merken, darum geht es. Voller Freude, Hingabe und Konzentration.
Wildnispädagogik im Bildungskontext
Unsere Arbeit ist in der Wildnispädagogik ebenso wie in der klassischen Bildungslandschaft tief verwurzelt. Seit 2013 arbeitet der Leiter der Wildnisschule als Lernbegleiter an der Freien Naturschule im StadtGut Berlin. 2016 haben wir dann unsere Wildnisschule gegründet. Die Erfahrungen aus beiden Bereichen prägen die Handschrift unserer pädagogischen Arbeit auf eine ganz besondere Art und Weise. Sie sind die Grundlage dafür, wie wir Kinder, Jugendliche, Erwachsene und pädagogische Fachkräfte dabei begleiten, Naturverbindung als Teil von Bildung zu erfahren und weiterzutragen.
Unsere Expertise fließt auch in den fachlichen Diskurs ein. So wurden wir bereits als Mitautoren für Publikationen des Springer Verlags, des Grundschulverbands und der Fachzeitschrift PÄDAGOGIK angefragt.
Ergänzt wird unsere Art des Lernens und Lehrens durch die Beziehungsarbeit nach Jesper Juul. Seit vielen Jahren ist sie als roter Faden in der Arbeit an der Freien Naturschule erlebbar und wurde durch zahlreiche Supervisionen, den pädagogischen Alltag und die gemeinsame Reflexion im Team immer weiter vertieft und praktisch gelebt. Sie unterstützt uns darin, Beziehungen bewusst zu gestalten und Menschen in ihrer Eigenverantwortung und persönlichen Entwicklung ernst zu nehmen.
Ökologische Fachkompetenz und praktische Umsetzung
Darüber hinaus bringen wir durch die Mitwirkung der Leiterin der Wildnisschule eine weitere fachliche Perspektive in unsere Arbeit ein. Als Diplom-Ingenieurin für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung (FH) und durch ihre Weiterbildung im Bereich Permakultur verfügt sie über fundierte Kenntnisse in der ökologischen Gestaltung und nachhaltigen Entwicklung von Lebensräumen. Dieses Wissen fließt insbesondere in die konkrete Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen im Rahmen unserer Bildungsprogramme ein, macht Gestaltungskompetenz unmittelbar erfahrbar und verbindet unsere pädagogische Arbeit mit fachlich fundierter ökologischer Praxis.
Digitale Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit
Zu unserem Bildungsverständnis gehört zunehmend auch die Frage, wie Menschen ihre digitale Lebenswelt selbstbestimmt und gemeinschaftlich gestalten können. Mit der seit 2020 von uns entwickelten Wildnis Community, einem unabhängigen sozialen Netzwerk auf der Basis von Open-Source-Software, übertragen wir Erfahrungen aus Naturverbindung und gemeinschaftlichem Lernen in den digitalen Raum. So schaffen wir einen Ort für Austausch, gegenseitige Unterstützung, gemeinschaftlichen Wissensaufbau und aktive Beteiligung.
Dadurch wird digitale Souveränität unmittelbar erfahrbar. Menschen werden nicht zu bloßen Konsument:innen digitaler Räume, sondern ermutigt, diese gemeinsam mitzugestalten und Verantwortung für sie zu übernehmen. Damit verstehen wir die Wildnis Community auch als einen Beitrag zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: Sie stärkt Selbstwirksamkeit, Beteiligung und Gestaltungskompetenz und erweitert die Frage nachhaltiger Lebensgestaltung um die digitale Dimension unserer Lebenswelt.
2. Wer wir sind
Die Wildnisschule Weg der Wildnis ist eine non-formale Bildungseinrichtung im Bereich Wildnispädagogik und Naturverbindung mit Angeboten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien, Teams, Verbände, Organisationen, Schulen und pädagogische Fachkräfte.
- Für Schulen: Wildnistage, mehrtägige Klassenfahrten und Beratung von Teams
- Für Erwachsene und Familien: praxisnahe Seminare und Camps
- Für die Bildungslandschaft: fachspezifische Seminarreihen wie beispielsweise „Die Kraft des Spiels“ und einjährige, berufsbegleitende Weiterbildungen wie „Wildnispädagogik für die Arbeit an Schulen“ und „Pflanzen lesen lernen“.
Wir sind seit 2022 zertifiziert als Anbieter von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und seit 2020 anerkannt im Rahmen der Bildungszeit in Berlin und als Ergänzungsangebot für Lehrer*innen des Landes Brandenburg.
3. Werte und Grundsätze
Unser Handeln ist geprägt von Gleichwürdigkeit, Respekt, Offenheit und einem vielfältigen Miteinander. Wir begegnen Menschen auf Augenhöhe und schaffen Räume, in denen unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven willkommen sind.
Dabei verstehen wir Beziehung als Grundlage unseres pädagogischen Handelns, im Umgang miteinander ebenso wie im Umgang mit der mehr-als-menschlichen Welt, mit Tieren, Pflanzen, Elementen und der Erde.
Wir lehnen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung ab.
4. Unsere Vision
Uns ist es wichtig, dass jeder Mensch mindestens einmal diesen Moment erlebt, wieder erlebt oder sich daran erinnert, dass es ihn gab: einfach zu sein im Hier und Jetzt. Verbunden mit der Linde, dem Feuer, dem Rotkehlchen, dem Fuchs. Es geht uns um diesen einen besonderen und lebensprägenden Moment, in dem die Zeit stillsteht und Liebe aufleuchtet.
Alle unsere Angebote arbeiten darauf hin, den Raum für diesen Moment zu schaffen und die Methodik und das Handwerkszeug an Interessierte weiterzugeben, damit auch sie solche Erfahrungen anderen Menschen ermöglichen können.
Die Wildnis Community erweitert diesen Raum über das unmittelbare Erleben hinaus. Sie gibt Menschen die Möglichkeit, solche Momente miteinander zu teilen, sich gegenseitig zu inspirieren und die Verbindung zur Natur im Alltag lebendig zu halten. Eine Geschichte von einem besonderen Moment draußen, ein gefundenes Trittsiegel, die Freude über die wieder blühende Wegwarte oder ein Dank für einen berührenden Augenblick können andere Menschen daran erinnern, selbst wieder hinauszugehen und aufmerksam wahrzunehmen. So wird aus dem persönlichen Erleben ein gemeinsamer Erfahrungsraum, der weiterwirkt und Menschen miteinander und mit der lebendigen Welt verbindet.
Wir sehen in dieser gelebten Verbundenheit eine tragfähige Grundlage für Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl und die Bereitschaft, die eigene Lebenswelt aktiv und nachhaltig mitzugestalten.
So möchten wir zu einer nachhaltigen, friedlichen, gerechten und lebenswerten Zukunft beitragen. Einer Zukunft, in der Menschen sich nicht als getrennt von der Natur verstehen, sondern als Teil einer lebendigen Welt, für die sie Verantwortung übernehmen und die sie aktiv mitgestalten.
